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Odessa 2005
Der Kongress der SKLIK (Slawischer Klub der Liebhaber Eierlegender Zahnkarpfen)
                                                                     

Motto:   Wo wir geboren sind,
             dort leben wir auch …

Am Freitag, den 10. Juni 2005 schüttelte ich die Hände meiner Freunde auf dem Flughafen Praha – Ruzyně und um 10:00 Uhr stieg ich ins Flugzeug Fokker 70 der Gesellschaft Malev, Flug MA 821, Richtung Budapest ein. Der Flug dauerte eine Stunde und der Transit auf dem Flughafen in Budapest verlief ohne Probleme. Kurz vor 13:00 Uhr startete das Flugzeug Boeing 737-600 der Gesellschaft Malev, Flug MA 130 von Budapest Richtung Odessa. Ich erwartete ein halbleeres Flugzeug, aber die Realität war eine ganz andere. Das Flugzeug war bis auf den letzten Platz von Passagieren ausgebucht. Im hinteren Teil des Flugzeugs, wo ich saß, konnte man fast alle Sprachen hören, ausgenommen Russisch und Ukrainisch. Das verwunderte mich sehr. Neben mir saß ein in Versace-Kleidung von Kopf bis zu Fuß gekleideter Schweizer aus Genf, und aus dem Gespräch mit ihm begriff ich, dass er als Scout delegiert war, die Schwarzmeerküste und ihre Hotels anzusehen. Nach meiner, wie ich ein bisschen später begriff, naiven Frage, warum er dorthin fliegt, schaute er mich mit einem leicht erstaunten Blick an und dann versuchte er mir in der nächsten halben Stunde mit seiner englisch-russischen Sprache zu erklären, dass die Schwarzmeerküste der französischen Riviera gleicht, aber dass sie wesentlich billiger ist. Seine Aufgabe war, die Küste zu durchstöbern und zu Hause dann einen ausführlichen Bericht über die Situation zu erstatten. Von meinen Nachbarn auf der rechten Seite erfuhr ich, dass sie eine Betriebsinspektion in einer neuen Autowerkstatt für Mercedes Benz in Odessa durchzuführen haben. Die Zeit war rasch vergangen, die Bewölkung auf dem Flug Richtung Osten lockerte sich langsam auf, und meine Gedanken gingen allmählich zu einer gespannten Erwartung der zukünftigen Ereignisse über. 

Nach einer Stunde und 30 Minuten ging das Flugzeug langsam nach unten, und ich konnte nicht widerstehen, aus dem kleinen Fensterchen der Boeing hinauszublicken. Statt der erwarteten Steppe begannen ganz sanft unterschiedliche geometrische Konturen der angebauten Felder durch die Wolken zu erscheinen. Die Landung und das Ausrollen schaffte der Pilot der ungarischen Fluggesellschaft hervorragend und Odessa begrüßte uns mit Sonnenschein und blauem Himmel. Der Flughafenbus (Airliner) brachte alle Passagiere zur Zollabfertigung und plötzlich war mir, als ob ich ein paar Jahre zurückgegangen wäre. Zuerst muss man eine Registrierkarte mit Angabe aller Personaldaten, des Aufenthaltsortes und Abreisetages ausfüllen. Gleiche Kontrollen finden auch statt, wenn Sie nach Tunesien, in die Türkei oder nach Israel reisen möchten. Nach der Passkontrolle geht man durch die Sicherheitszone durch und dann wird eine gründliche Zollabfertigung durchgeführt. Eindringliche Fragen der Zollbeamten, wie zum Beispiel: Warum man in die Ukraine einreist, was man mitbringt, was man zu verzollen hat und ob das mitgebrachte Bargeld 1.000,- USD nicht übersteigt, kann niemanden überrumpeln. Und in dem Falle, dass man eine höhere Barschaft dabei hat, bleibt nichts anderes übrig, nun nur noch eine Zollanmeldung auszufüllen und diese für die Kontrolle am Abreisetag gut aufzubewahren. Die letzte an mich gestellte Frage wurde beantwortet, der Zollbeamte wünschte mir einen angenehmen Aufenthalt und ich konnte endlich eine Glastür erreichen und dann durch die Menge Leute, die auf ihre Bekannten warteten, weitergehen.  

Mitten in dieser Menschenmenge wurde ich von Herrn Alexander Kozlov, dem Vizepräsidenten des Klubs SKLIK, begrüßt. Er hatte mich mit seinem Chauffeur und der Dolmetscherin schon ungeduldig erwartet. Unser erstes Ziel war das Hotel, in dem ein Zimmer für mich reserviert war. Anschließen fuhren wir zum „Dvorec studentů“, eines der schönsten und ältesten Gebäude in Odessa, in dem die Klubausstellung stattfand. Hier traf ich nicht nur Herrn Sergej Kalandyrcev, Präsident des Klubs, sondern auch die anderen Klubmitglieder.  

Den Kern der Ausstellung bildeten Aquarien von drei Größen, die so konstruiert waren, dass ihre nachfolgende Demontage und Verpackung zum Transport sehr schnell und gefahrlos sind. In dieser Beziehung könnten alle europäischen Klubs noch viel lernen. Die Ausstellungsaquarien waren in zwei Reihen installiert, es wurden insgesamt 145 Kollektionen in 5 Kategorien ausgestellt.  

In der 1. Kategorie Aphyosemion wurden 33 Kollektionen in 13 Arten vorgestellt. Die Arten A.australe, A.bivitattum, A.gabunense, A.hera, Ch.poliaki Mile 29, A.striatum bildeten  21 Kollektionen, d. h. 2/3 der ausgestellten Kollektionen! In der 2. Kategorie Aplocheilus – Epiplatys wurden 16 Kollektionen vorgestellt, die vor allem aus den Arten A.lineatus, E.grahami, E.sexfasciatus und E.dageti (insgesamt 11 Kollektionen) bestanden. In der 3. Kategorie Fundulopanchax in 33 Kollektionen konnte man die Arten der Gattung Fundulopanchax, wie amieti, filamentosum, gardneri, marmoratum, scheeli, sjoestedti und walkeri finden.  

Am zahlreichsten war die 4. Kategorie Nothobranchius vertreten, die aus 48 Kollektionen bestand, und man hatte wirklich etwas zum auswählen und ansehen. Die Arten wie N.albimarginatus, annectens, furzeri, fuscotaeniatus, janpapi, kafuensis (Kayuni, Mambova, Nega Nega), kirki, lourensi, melanospilus, neumanni, orthonotus und sp.Itigi erfreuten nicht nur das Auge sondern auch die Seele jedes Killifischzüchters neben anderen üblich vertreten  Arten nothobranchius. 

Eine große Überraschung war dann für mich, dass man unter den ausgestellten Fischarten auch die in der freien Natur auf der russisch-bulgarischen Expedition „Tansania 2005“ eingefangenen Fische sehen könnte. Ich zählte fünf von diesen mit Codebuchstaben RB, dem Code des Jahres (05) / der Ordnungszahl der Lokalität bezeichneten Kollektionen – N.annectens, N.janpapi, N.korthausae, N.melanospilus und N.neumanni.  

In der letzten 5. Kategorie „Sonstige“ wurden 15 Kollektionen vorgestellt, die die Arten F.cingulatus, R.amphoreus, R.magdalenae, R.xiphidius, S.constanciae, S.perpendicularis, N.whitei und J.floridae beinhalteten.  

Die Kollektionen wurden in alphabetischer Reihenfolge nach den einzelnen Kategorien geordnet. Die Ergebnisliste beinhaltete dann ein komplettes Verzeichnis aller ausgestellten Fischarten. Die Bewertung der einzelnen Fische würde man aber auf der Ergebnisliste vergeblich suchen, denn diese Ausstellung war nicht als Championat ausgerichtet worden.  

Die eigentliche Ausstellung wurde mit einem Wettbewerb kleiner Aquarien und mit Verkaufsstellen für Technik, Futter und anderem Zubehör für Süßwasser- und Meeresaquarien ergänzt. So ging der Freitag langsam zu Ende und ich brach mit meiner Begleitung in die Innenstadt von Odessa auf. 

In Odessa beeindruckten mich die unglaublich breiten Straßen. Und wenn ich über unglaublich breite Straßen spreche, meine ich damit drei Fahrspuren, Stand- und Parkstreifen in beiden Richtungen, sowie Grünanlagen und Gehsteige an beiden Seiten. Die Häuserblöcke in der Stadt Odessa sind regelmäßig geformt und die Straßen sind nach den Windrichtungen vom Meer orientiert. Die meisten Straßen sind Einbahnstraßen, was dem Stadtverkehr wesentlich erleichtert. Es ist kein Wunder, hier einen alten Shiguli (Lizenzproduktion von Fiat, hergestellt vor 20 – 25 Jahren) und einen ganz neuen 5er BMW nebeneinander auf der Straße zu sehen. 

Das Odessa-Stadtzentrum ist voll renoviert und man findet hier Geschäfte fast aller Weltmarken, wie zum Beispiel McDonald, Ricoh, Raiffeisenbank, usw. Es erinnert sehr stark an die Zeit in der Tschechischen Republik anfangs 90-er Jahre. Das Nachtleben in Odessa ist einerseits wirklich sehr rege und lebhaft, andererseits aber gefahrlos. Während meines Aufenthaltes in Odessa erlebte ich kein einziges Problem in Sachen Sicherheit, auch hat mich niemand aufgehalten oder angesprochen. Hierzu muss ich aber auch erwähnen, dass der Sicherheit ohne Zweifel durch eine große Anzahl von Polizisten in den Straßen und besonders dann im Stadtzentrum gewährleistet wird.  

Im Zentrum der Stadt Odessa findet man den „Griechischen Stadtplatz“ mit dem „Griechischen Haus“, welches eigentlich ein sehr modernes Verwaltungs- und Handelsgebäude ist. Hierher, in dies Gebäude sollte mich meine Arbeit in den nächsten Tagen führen. Dazu muss ich sagen, dass man ein ähnliches Gebäude in Prag nur sehr schwierig finden würde. In den oberen Geschossen sind viele Büros und in unteren Geschossen und im Erdgeschoss gibt es dann verschiedene Geschäfte. Im ersten Untergeschoss befinden sich ein Supermarkt und ein Restaurant. Es handelt sich teilweise um ein Selbstbedienungsrestaurant mit ein paar Sälen, die nach einzelnen historischen Ereignissen eingerichtet sind. Einer im Stile der Zeit Lenins, der zweite im Stile vorrevolutionärer Zeit und ein Saal, der von Zukunft inspiriert ist, sind mit Plasmafernsehern ausgestattet, auf denen die Besucher lokale Fernsehprogramme verfolgen können. Man kann hier auch sehr billig und köstlich essen. Borschtsch, Hühnerschnitzel mit Kartoffeln, Gemüsesalat, Orangensaft, Kaffee und Honigkuchen kosten hier nur 23 Pfund (1 USD = 5 Pfund, d.h. 1 € = ca. 5,9 Pfund). Da die Öffnungszeit dieses Restaurants um 9,00 Uhr begannen und es nur 6 Minuten zu Fuß von meinem Hotel entfernt war, bevorzugte ich die Gemütlichkeit in diesem Restaurant dem etwas faden Frühstück im Hotel. Ich bin nicht heikel im Essen, aber das Frühstück im Hotel war jeden Tag dasselbe – ein Glas Orangensaft, Kaffee oder Tee, kalte Platte (Käse, Salami und Butter), und dazu noch zwei Eier – Spiegeleier mit gebratenem Speck.   

Gutes Essen bekommt man auch in anderen Gaststätten, und ich wirklich weiß, worüber ich spreche. Ich persönlich probierte noch vier andere Gaststätten aus. Auch an sehr häufigen Straßenkiosken konnte man dann auch problemlos alle möglichen Imbisse probieren. Für 0,80 Pfund bietet man dort eine Tasse Kaffee oder Tee an, für 2 Pfund kann man Cola oder ein anderes Getränk haben. Eine Packung Zigaretten kostet 3 bis 8 Pfund. Da sieht man auch, dass die Produkte der multinationalen Konzerne wie Phillip Morris oder Coca–Cola Odessa schon längst erreichten und so diese Konzerne ihre Aktivitäten auch auf den dortigen Markt erweitert haben. 

In Odessa findet man quer durch die Stadt viele Sehenswürdigkeiten und Denkmäler. Die verschiedensten Denkmäler stehen überall und sind der Erinnerung an Alle und an Alles gewidmet. Das A. S. Puškin - Denkmal (Puschkin) befindet sich am Ende des Boulevards „Primorskij“ am Stadtamtsgebäude, am anderen Ende dieses Boulevards, wo Sie durch die Kolonnade und um die 5-Sterne-Hotels bummeln kann, findet man ein Denkmal des Lords Duke, des Gründers Odessa. In Odessa überall kann man verschiedene Denkmäler aus den Zeiten vor der Revolution im Jahre 1917, sowie den sowjetischen und postsowjetischen Zeiten finden. Und die Odessaer sind gebührend stolz darauf, dass sie so viele Denkmäler haben und dass sie in einem so gut erhaltenen Zustand sind. Das einzige Denkmal, das sie verloren haben, ist das Denkmal der Zarin Jekatěrina der II, das im Jahre 1917 aus Hass auf die Bourgeoisie zerstört wurde. Zur Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg in den Jahren 1941 – 1945 sah ich gleich 3 Denkmäler: das Heldenstadt-Denkmal, das Denkmal der gebürtigen Odessaer – Helden der Sowjet Union und das Denkmal der im Krieg gefallenen Matrosen. Und vielleicht gibt es noch viele andere …? Und für uns im Großen und Ganzen noch eine interessante Erkenntnis: Niemand hat die Denkmäler in der Vergangenheit beseitigt. Und auch jetzt macht das niemand. Über die Sehenswürdigkeiten könnte ich noch viel mehr schreiben. Zum Beispiel der Besuch des archäologischen Museums mit der ständigen Exposition des Skythischen Goldes wäre bestimmt erzählenswert.  

Als ich kurz vor der Mitternacht in mein Hotelzimmer zurückkam, duschte ich mich und plötzlich stellte ich fest, dass ich noch keine Lust zum schlafen hatte. Aus Gewohnheit griff ich nach der TV-Fernbedienung und ich schaltete den Fernseher ein. Das, was ich dann sah, war für mich eine große Überraschung. Ich konnte unter 21 Programme auswählen. Ich weiß bis heute nicht, ob es sich um Kabel- oder Satellitenfernsehen handelte, aber ich konnte dem nicht widerstehen.  

Am Samstag nach dem Frühstück brach ich zur Ausstellung auf. Ich wurde von sauberen und aufgeräumten Straßen sehr angenehm überrascht. Ich weiß nicht, wann sie aufgeräumt wurden, aber alle Abfälle und Kippen waren völlig spurlos verschwunden. Die Ausstellung wurde für die Öffentlichkeit geöffnet und der 15 x 50 m Ausstellungsraum war schon voll mit Besuchern. Im Laufe der Ausstellung kamen 3 TV-Aufnahmeteams und 1 Radiosender, um ihre Reportagen aufzuzeichnen.  

Am Nachmittag begann Arbeitstreffen des Klubs. Am Anfang wurden verschiedene Klubangelegenheiten durchgegangen und mir wurden viele Fragen gestellt, wie machen wir das und das bei uns. Es ist nicht wichtig, was für eine Diskussion geführt wurde, und welche Rückschlüsse daraus gezogen wurden. Das ist die Sache des hiesigen Klubs (und es schickt sich nicht an, darüber zu sprechen…). Wer Anfangszeiten eines Klubs erlebte, kann sich vorstellen, worüber man damals sprechen konnte. Für mich war wichtig, dass ich die an mich gestellten Fragen beantworteten konnte; zum Beispiel wie man einige Sachen in verschiedenen europäischen Klubs macht und dass sich die Klubführung und Clubmitglieder im Rahmen der Diskussion bemühten, das Annehmbarste für ihren Klub in Bezug auf Lokalbedingungen auszuwählen. Zum 4. Klubtreffen kamen Mitglieder aus aller Herren Länder. Ein Wunder, wenn man bedenkt, dass der Weg aus Charkov gut einen halben Tag dauert, aus Moskau mehr als einen Tag, aus Chabarovsk je nachdem ob man mit dem Zug eine Woche fährt oder mit dem Flugzeug neun Stunden nach Moskau fliegt, um dann wiederum mit dem Zug nach Odessa zu fahren. Und Welt wundere dich, sie kommen trotzdem alle! Sie kommen mit ihren Erwartungen – genauso wie auch wir vor ein Paar Jahren zu einem Klubtreffen gefahren waren – mit dem Gedanken, ob es ihnen zufälligerweise nicht gelingt, ein kleines Killifischschüppchen nach Hause mitzubringen.  

Während meiner Gespräche mit den Klubmitgliedern hat mich dann Herr Evgenij Duškin aus Charkow überrascht. Wir redeten über alles, über das Leben im Allgemeinen und über Klub hinaus. Er sagte den Satz, die ich mir als Motto für diesen Artikel auswählte. Ein Ausspruch, der für manche unverständlich sein wird, für andere ein Ausspruch mit einem tieferen Sinne.  

Dann folgten zwei Vorträge und beide waren ausgezeichnet. Zuerst hielt Oleg Nikolajevič Junčis, Kandidat der Wissenschaften, einen Vortrag über Krankheiten der Aquarienfische. Am kommenden Tag wurde dann dieser Vortrag um eine Demonstration im Zuchthaus des Herrn Jurij Karavansky, inklusive einer Arbeit mit dem Mikroskop ergänzt. Es war  hochinteressant und sehr belehrend. Zuerst beobachteten wir die kranken Fische und dann versuchten wir unter einem Mikroskop, die Krankheitsursache zu bestätigen und zu lernen, Krankheitsdiagnose und Heilvorgänge festzustellen. 

Danach hielt Sergej Torgashev, ein Teilnehmer der russisch-bulgarischen Expedition Tansania 2005, mit Hilfe von Fotografien und eines weiteren Mitgliedes der Expedition Konstantin Shidlovsky einen Vortrag über diese Expedition. Diese Expedition war sehr erfolgreich, der Fang von neun Arten der Gattung Nothobranchius ist als ein ausgezeichnetes Ergebnis dieser Expedition zu werten.  

Für den Samstagabend war ein gemeinsames traditionelles Beisammensein in einem typischen Strandrestaurant am Schwarzen Meer vorbereitet. Als die Schatten immer länger wurden und der Tag sich dem Ende neigte, wurden Leinenjalousien heruntergezogen und wir haben in einer angenehmen, freundschaftlichen Atmosphäre bis weit in die Nacht gegessen, getrunken, aber auch viel miteinander geredet. So klang auch dieser für mich eindrucksvolle Tag in angenehmer Runde aus.   

Am Sonntagvormittag hat es ganz leicht geregnet und wir haben „Starokony rink“ besucht. An den Verkaufsständen wurde folgendes angeboten: Den freien Verkauf von Futter, eine große Menge Aquarienliteratur, Verkauf von Aquarienfischen und Aquarienpflanzen. In der Markthalle entdeckte ich etwas verwundert an einem Verkaufsstand zwei Fische Arowana, die ca. 30 – 40 cm groß waren. Der Sonntagnachmittag endete dann mit einer Klubsitzung und einer danach folgenden Versteigerung der ausgestellten Fische. Das Aufräumen und der Abbau der Aquarien dauerten dann einige Stunden. Während dieser Zeit habe ich das System der 3 ineinander zusammengesetzten Aquarien schätzen gelernt. 

Am nächsten Tag widmete ich mich nicht nur meiner Arbeit, sondern bin ich auch durch die Stadt gebummelt. Dabei entdeckte ich solche Paradoxien, die mich an den Spruch eines ehemaligen Mitschülers erinnert haben, dass es ein „Land der unbeschränkten Möglichkeiten und unmöglichen Beschränkungen“ ist. Auf meinem Stadtbummel fotografierte ich fast alles. Auch solche Dinge, bei welchen ich Bedenken hatte, ob ich das darf. Als ich aber in einen Spielzeugladen hineingegangen bin (zirka 5x so groß als Sparkys-Haus in Prag auf der Fußgängerzone) und habe Sachen für Kinder von 14 Weltfirmen gesehen, wollte ich es fotografieren. Sowie ich meine Kamera herausgeholt hatte, stand bei mir schon der Sicherheitsdienst des Ladens und hat mich darauf hingewiesen, dass das Fotografieren verboten ist. Gleiche Erfahrung passierte mir dann auch bei meiner Bemühung, Filmemacher beim Drehen einer Filmszene oder das Interieur des Griechischen Hauses zu fotografieren. Ich habe es nicht verstanden, aber ich habe es respektiert. Wie sagt man? Andere Länder andere Sitten. In der Beschreibung von Odessa darf man keinesfalls den Meeresbahnhof vergessen, von dem Passagierschiffe genauso wie bei uns Busse oder Züge von Bahnhöfen wegfahren. An diesem „Schiffsbahnhof“ steht eines von den besseren Hotels, das Hotel Odessa, ganz in der Nähe vom Hafen, wo Yachten aus der ganzen Welt zu sehen sind. Ich habe hier Fahnen von Griechenland, Malta, Australien, Italien oder Großbritannien gesehen. Einen Tag vor meiner Abreise hat Odessa den tschechischen Präsidenten begrüßt, was ja der Aufmerksamkeit der Einheimischen nicht entgangen war. Hier zeigte sich das Naturell der Einheimischen, der Odessaer, die einen unverwechselbaren Dialekt sprechen. Habe ich eine Frage im Geschäft gehabt, nach dem richtigen Weg auf der Strasse gefragt oder Essen im Restaurant bestellt, merkte ich, dass ihre Gefälligkeit nicht zu groß ist. Später wurde mir geraten, ab und zu einen tschechischen Ausdruck zu benutzen. Der Erfolg war fast unglaublicher! In dem Moment, als die Einheimischen erfahren haben, dass ich kein „ruskij“ (Russe) bin, änderte sich ihr Verhalten und ihre Gefälligkeit nahezu schlagartig. 

Am Abreisetag brachte mich die Klubführung zum Flughafen, und nach dreifacher Sicherheitskontrolle wurde ich endlich abgefertigt. Das Flugzeug, eine Boeing 737-600 der Gesellschaft Malev, startete und schlug die Richtung Budapest ein. Während des Starts konnte man das Flugzeug des tschechischen Präsidenten und seiner Regierungsdelegation sehen. Und hätten wir keine erhebliche Flugverspätung von Budapest nach Prag gehabt, könnte ich sagen, dass der Flug ganz normal war.   

Dürfte ich meine Meinung äußern, dann war die Ausstellung von der Organisationssicht aus hervorragend. Es stand sogar auch eine Ausstellerliste zur Verfügung. Genauso großartig gelang den Organisatoren ein tolles Begleitprogramm.  Ich denke, dass der Klub in der Zukunft ein großes Wachstumspotenzial hat. Die Klubmitglieder haben einen unglaublichen Enthusiasmus zu ihrer eigenen Tätigkeit entwickelt und sind, wie ich auf der Ausstellung ihre Fische gesehen habe, wirklich gute Aquarianer. Das, womit  sie kämpfen, ist die Artenarmut. Hätte jemand eine Möglichkeit, diese Kluft zu überbrücken und eine Brücke zwischen diesem Klub und den europäischen Klubs zu bauen, dann sind wir es. Die Stadt Odessa hat mich sehr nett überrascht, und zwar nicht nur mit ihrer Architektur und vielen Sehenswürdigkeiten, sondern auch mit ihrem Niveau. Überall sieht man, wie sich Odessa Schritt für Schritt zum Besseren verändert. Auf jeden Fall lohnte es sich, nach Odessa zu fahren, sowohl aus beruflichen Gründen, als auch der Besuch dieser Ausstellung.

 
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